Geschichte von Stühlen




Stuhl, Sitzmöbel, kommt bei den Alten als sella, diphros in verschiedener Form vor, teils mit Lehnen, teils ohne solche. Die der letzten Art ruhten entweder auf vier senkrechten Füßen, oder hatten sägebockartig gestellte Füße. Gepolstert waren diese Stühle nicht, man legte, um weich zu sitzen, auf den Sitz ein Kissen und über die Lehne eine Decke. Neben hölzernen gab es auch solche aus Metall oder Elfenbein. Ein Blick in Dudens Wörterbuch der Etymologie zeigt, daß sich das Wort "Stuhl" aus dem althochdeutschen "Stuol" entwickelt hat. In allen germanischen Sprachen bezeichnet dieses Wort zunächst den
aufgebauten Hochsitz des Fürsten. Der Stuhl ist ein Synonymfür den Thron,der immer dem Herrscher und Würdenträger vorbehalten war. Im absolutistischen Frankreich entwickelte man eine Rangordnung von Sitzmöbeln, angefangen vom Armlehnstuhl, der nur dem Ranghöchsten zukam, bis zu den Sitzkissen für die Kammerzofen. Das deutsche Wort "Möbel" geht zurück auf das lateinische
Adjektiv "mobilis" = beweglich. Kein anderes Möbel ist so beweglich wie der Stuhl, der zugleich das "dem Menschen nächste" ist. Kein anderes Möbel dient seinen physischen wie auch seinen psychischen Bedürfnissen bei Ruhe, Erholung, Essen und Arbeit so unmittelbar. Am Ende des 11.Jahrh. findet man Schemel mit Rückenlehnen im täglichen Gebrauch, doch immer nur noch bei Vornehmen. Im 13. Jahrh. fertigte man Faltstühle aus dünnen Eisenstäben, deren Sitze aus Riemen oder Gurten bereitet und mit Kissen belegt wurden. In der Renaissance bekammen sie Lehnen und Rückenleder, sogen. Dogenstühle.
Unter dem Einfluß der verändernden Sitten und Trachten werden die Stühle leichter und beweglicher. Den Stühlen des 16. und 17. Jahrh. eigentümlich sind die Sprossen zwischen den Beinen. Erst im 18.Jahrh. werden mit den geschweißten möbelformen die Beine frei. Gleichzeitig werden die Stühle gepolstert, bis um die Mitte des 19.Jahrh. die Holzformen völlig unter der Polsterung verschwinden. Anfang des 20-sten Jahrh. sucht man den natürlichen Eigenschaften dieses Sitzmöbels, das im wesentlichen brauchbar und bequem sein soll, durch einfache Formen zu entsprechen. Die Vielfalt der Formen und Materialien ist seit der barockzeit stetig gewachsen, und heute gibt es fast für jeden Zweck ein eigenes Sitzmöbel, vom Küchenhocker bis zum Fernsehsessel.